Achtsamkeit für Kinder durch Naturbeobachtungen fördern

Achtsamkeit für Kinder – 7 Übungen

Achtsamkeit für Kinder ist in aller Munde – und doch halten es viele nur für eine belanglose Modeerscheinung. Ein großer Fehler! Warum Achtsamkeit für Kindern so wichtig ist und welche Achtsamkeitsübungen du mit deinem Kind einfach in euren Alltag integrieren kannst, erfährst du hier.

Warum braucht es überhaupt Achtsamkeit für Kinder?

Kannst du dich daran erinnern, wie dein Frühstück heute Morgen geschmeckt hat? Hattest du überhaupt die Zeit zu frühstücken oder hast du es in der Hektik des Alltages sogar ausgelassen?

Schon von dem Moment des Aufwachens an funktionieren wir oft wie eine Maschine: Im Bad überlegen wir schon, was wir anziehen, beim Anziehen denken wir darüber nach, was wir zum Frühstück essen und beim Frühstücken planen wir in Gedanken unseren Tagesablauf, um alle Aufgaben zu erledigen, die wir mehr oder weniger freiwillig auf uns genommen haben.

Dabei sind wir kaum noch präsent und nehmen wahr, was in dem jetzigen Moment – der Moment, den wir gerade erleben –  wirklich passiert.

Wie fühlt sich die Kleidung an, die du trägst? Wie riecht es um dich herum und was kannst du von deiner aktuellen Position aus alles sehen?

Alles Fragen, die im Alltag komplett untergehen, da wir meist komplett eingenommen sind von unseren Aufgaben. Auch Kindern geht es immer häufiger und mit fortschreitendem Alter so.

Sind sie im Alter bis ca. 6 Jahre ständig präsent und im jetzigen Moment, nehmen auch bei ihnen ihre Gedanken und auch Sorgen im Laufe der Grundschulzeit immer mehr Raum ein. Ihr Fokus verschiebt sich vom Jetzt immer mehr in die Vergangenheit oder die Zukunft.

Daraus resultieren Stress und Überforderung, die uns auf Dauer krank machen können. Als Eltern sollten wir unseren Kindern dabei helfen, so oft wie möglich im “Jetzt” zu sein und diesen Moment bewusst zu erleben und zu genießen. Genau hier kommt die Achtsamkeit ins Spiel.

Achtsamkeitspraxis für Familien

Was ist Achtsamkeit?

“Achtsamkeit ist ein aufmerksames Beobachten, ein Gewahrsein, das völlig frei von Motiven oder Wünschen ist, ein Beobachten ohne jegliche Interpretation oder Verzerrung.”

  • Jiddu Krishnamurti

Wenn wir achtsam sind, sind wir präsent. Ganz und gar hier, in diesem Moment. Wir nehmen wahr – wo wir sind, was wir tun, was wir fühlen. Anstatt über die Vergangenheit oder die Zukunft nachzudenken, holen wir unsere Gedanken gezielt in das Hier und Jetzt, horchen in uns hinein, spüren, schmecken, riechen wieder aufmerksamer. So reduzieren wir Alltagsstress und sind insgesamt zufriedener und entspannter. Durch die bewusste Wahrnehmung der kleinen Dinge im Leben können wir uns zusätzlich wieder mehr an ihnen erfreuen, was zu mehr Zufriedenheit und Glücklichsein führt.

“Unser Treffpunkt mit dem Leben findet immer im gegenwärtigen Augenblick statt. Und der Treffpunkt unserer Verabredung ist genau da, wo wir uns gerade befinden.”

  •  Thich Nhat Hanh

Wissenschaftlicher Hintergrund – Das kindliche Gehirn im Kontext der Achtsamkeit

Das menschliche Hirn reift ca. bis zum 20. Lebensjahr. Die Entwicklung ist dabei abhängig von den Erfahrungen, die der Mensch in dieser Zeit macht, denn sie beeinflussen die neuronalen Verknüpfungen. Je öfter ein Kind etwas erlebt, desto stärker die neuronale Verknüpfung. Verknüpfungen, die ein Kind nicht erfährt, werden vom Gehirn als unbrauchbar eingestuft und sterben mit der Zeit ab. 

Warum Achtsamkeit für Kinder besonders ab dem Schulalter so wichtig ist

In den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Gehirn rasant. Mit dem Eintritt in die Schulzeit sind die die kognitiven Fähigkeiten so weit entwickelt, dass sich immer schneller ein Gefühl von “Stress” einstellt . Abhängig von den Lebensumständen und der Entwicklung jedes Kindes lässt sich generell feststellen: Sie sind ab diesem Zeitpunkt leichter abgelenkt, schneller unkonzentriert und immer häufiger angestrengt oder gestresst.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: ein Überfluss an (Freizeit-)Aktivitäten, äußere Einflüsse wie z. B. Freunde oder übermäßige Mediennutzung, zu wenig Bewegung und Leistungsdruck, der sich mit zunehmendem Alter aufbaut.

Was bedeutet Stress für Kinder und wie kann Achtsamkeit für Kinder bei der Prävention helfen?

Stress führt bei Kindern dazu, dass sie in alte, abgespeicherte Verhaltensmuster zurückfallen, wodurch das Gehirn keine neuen Verknüpfungen herstellen kann.

Sind Kinder zu viel Stress ausgesetzt, führt das zu Unruhe, Wut, Reizbarkeit und Aggressivität, wodurch sie auch häufig in Gruppen auffallen.

Manche Kinder reagieren aber auch mit Ängstlichkeit, ziehen sich zurück und wirken teilnahmslos, worunter ihr Sozialleben leiden kann.

Über einen langen Zeitraum kann Stress sogar dazu führen, dass Kinder unter Appetit- und Schlafmangel leiden oder in psychosomatischen Beschwerden resultieren – wie Kopf-, Bauchschmerzen und Übelkeit.

Als dauerhafte Folge kann Stress und dessen fehlende Bewältigung zu geringerem Selbstvertrauen bis ins Erwachsenenalter führen. Das Kind traut sich weniger zu und entwickelt eine pessimistische Grundeinstellung seinem Leben gegenüber. Haben Kinder wiederum gelernt mit Stress umzugehen und ihn zu bewältigen, so können sie Belastung auch als Herausforderung ansehen und Motivation daraus ziehen.

Es ist also wichtig, Stress zu vermeiden bzw. zu lernen, kontruktiv mit ihm umzugehen. Genau das gelingt achtsamen Kindern besser als Kindern, die keine Achtsamkeitspraxis entwickeln.

Stress vermeiden mit Achtsamkeit

Achtsamkeit für Kinder – wie geht das überhaupt?

Achtsamkeit mit Kindern zu üben, gibt ihnen das nötige Selbstvertrauen für Gegenwart und Zukunft.

Zusammengefasst bedeutet dies, bewusst ruhige Momente für sie zu schaffen und die Konzentration auf nur eine Sache zur Zeit zu fördern. Hierfür gibt es eine Reihe von Übungen, die ihr in euren Familienalltag integriert – um diesen „bewusst“ und “präsent” zu gestalten. Im Folgenden haben wir daher für euch einige Tipps und Übungen zu Achtsamkeit für Kinder zusammengetragen.

7 Übungen für ein achstsames Familienleben

Übung 1 – “Singletasking” statt Multitasking

Eltern als Vorbild: Kinder lernen von ihren Eltern. Sie imitieren sie sogar. Eltern sind also zu jeder Zeit Lehrer und Vorbilder ihrer Kinder. Zeig ihnen, wie es geht, indem du es selber tust. Sei präsent. Mache eine Sache zur Zeit und vermeide Multitasking – wenn ihr gemeinsam esst, tut dies mit voller Aufmerksamkeit. Spielen, Lesen, Malen – konzentriert euch auf genau diese eine Aktivität, mit Körper und mit Geist. Das wirkt sich nicht nur positiv auf dein Kind aus, sondern auch auf dich selbst. 

Übung 2 – bewusstes Entschleunigen

Wenn ihr euren tag plant, lasst genügend Freiraum. Überlegt euch vorher genau, was an dem jeweiligen Tag wichtig ist und verzichtet auf alles Überflüssige. Lasst genug Raum für freies Spiel und Spontanität. So könnt ihr flexibel auf die Wünsche eures Kindes, sowie alle äußeren Einflüsse reagieren und ermöglicht die Umsetzung von Übung 1 – nur eine Sache zur Zeit zu tun. 

Übung 3 – verbringt Zeit in der Natur

Gemeinsam Zeit in der Natur zu verbringen entschleunigt ungemein. Dazu gibt es einem die Möglichkeit toller Achtsamkeitsübungen für Kindern – Naturbeobachtungen. 

  1. Beobachten: Wie riecht eigentlich der Regen und wie fühlen sich Sonnenstrahlen auf der Haut an? Hört den Vögeln zu – könnt ihr vielleicht auch welche in den Bäumen entdecken? Schaut in den Himmel und betrachtet die vorüber ziehenden Wolken. Wie sehen sie aus? Könnt ihr spezielle Formen erkennen? In welche Richtung ziehen sie? Könnt ihr den Wind, der sie antreibt, ebenfalls spüren?
  2. Sammeln: Eine tolle Möglichkeit ist es auch gemeinsam Blumen, Blätter oder Steine zu sammeln und ganz genau zu betrachten. Welche Form und Farbe haben sie? Wie fühlen sie sich an? Wo habt ihr sie gefunden?
  3. Bauen: Auch könnt ihr zusammen etwas bauen, z.B. aus Sand oder ihr baut ein Tipi aus Stöcken, die ihr im Wald findet und ausprobieren, wie sich die Materialien verhalten. Wie schwer sind Materialien? Für wen ist das, was ihr baut? Was passiert damit, nachdem ihr fertig seid mit bauen? Wie wird euer Kunstwerk auf Wind und Wetter reagieren?

Übung 4 – den eigenen Körper spüren

Macht gemeinsam kleine, ganz bewusste Bewusstseinspausen. Startend mit einigen bewusst wahrgenommene Atemzüge könnt ihr gemeinsam ganz bewusst die Füße, die Beine, den Bauch, die Arme, den Kopf spüren. Schon kurze Momente, die ihr ganz bewusst zum Innehalten und in euch hinein Spüren nutzt, sind kleine Meditationen, die euch immer wieder ins “Jetzt” holen und als mentale und körperliche Pause dienen. 

Übung 5 – gemeinsames Tagebuchschreiben

Achtsamkeitstagebücher für Erwachsene erfreuen sich in den letzten Jahren zunehmend großer Beliebtheit. Auch für Kinder ist das Führen eines Tagebuchs eine große Bereicherung und eine wunderbare Achtsamkeitsübung! 

Tagebuch schreiben hilft einem Kind dabei, die Erlebnisse der letzten Tage zu verarbeiten und sich zu reflektieren. Hier erläutern wir mehr über die wissenschaftlich belegten Vorteile des Tagebuchschreibens.

Daher haben wir von SONNTAGSKINDER ein Glückstagebuch für Kinder entwickelt. Das für Grundschüler entwickelte Ausfüllbuch stärkt das Selbstbewusstsein des Kindes sowie die Bindung zwischen Kind und Eltern

Um das Buch ausfüllen zu können, muss das Kind übrigens gar nicht unbedingt schon selbst schreiben können. Aufgrund des integrierten “Partnerkonzeptes” seid ihr als Elternteil hier ohnehin involviert und könnt auch das Schreiben für einige Zeit oder auch dauerhaft übernehmen. Denn hier geht es nicht so sehr ums (richtige) Schreiben, sondern um achtsames Erleben, Fühlen, Reflektieren.

Eine wunderschöne gemeinsame Tätigkeit, die Vertrauen und Offenheit fördert und euch und euer Kind noch näher zusammenbringt.

Hier erfährst du mehr über unser Tagebuch für Kinder und kannst es kaufen.

Eine Woche voller GlückÜbung 6 – Mit Yoga und Atmung Achtsamkeit für Kinder fördern

Wie uns Erwachsenen, hilft es auch unseren Kindern, ab und zu eine kurze Verschnaufpause zu machen und tief Luft zu holen. Das entspannt Körper und Geist und gibt neue Energie.

Einige kleine Übungen rund um den Atem:

  • Um Bewusstsein für das Atmen zu schaffen, gibt es gezielte Atemübungen für Kinder. Beispielsweise kann das Kind mit Hilfe eines Watteballs den eigenen Atem bewusst erleben , den es beispielsweise über den Tisch pustet.
  • Zwischendurch kann das Kind seinen Atem auch gezielt an sich selbst testen und seine Hand anpusten, um zu erfahren, wie Stark sich der eigene Atem anfühlt und ob er z. B. warm oder kalt ist.
  • Eine andere Übung ist es, sich mit seinem Kind an einen ruhigen Ort zu setzen und gemeinsam langsam ein und aus zu atmen. Das kann durch Geräusche wie ein befreiendes Seufzen beim Ausatmen oder durch das Mitzählen der Sekunden die das Ein- und Ausatmen brauchen unterstützt werden. Zusätzlich kann das Kind dabei seine Hände auf Brust oder Bauch legen, und spüren wie die Luft ihn auf und ab bewegt.
  • Was ebenfalls entspannend wirkt und mehr Bewusstsein für den eigenen Körper schafft, sind Yogaübungen für Kinder. So kann das Kind in Baum, Katze oder Hund seinen Körper neu entdecken. Das fördert sowohl die Konzentration, als auch die motorischen Fähigkeiten des Kindes und macht gleichzeitig auch noch Spaß.  

Übung 7 – Gefühle besprechen

Frage dein Kind, wie es sich gerade fühlt oder rückwirkend in bestimmten Situationen gefühlt hat. Gefühle sind vielfältig und spielen eine bedeutende Rolle im Thema Achtsamkeit für Kinder  – sprichst du mit deinem Kind über seine Gefühle, lernt es sich selber besser kennen und schafft es besser mit emotionalen Situationen umzugehen.

Auch dir kann es helfen dein Kind besser einschätzen zu können und es in diesen Situationen zu Unterstützen. Eine gezielte Übung hierfür ist das Benennen von Gefühlen – z.B. Freude, Überraschung, Liebe, Traurigkeit, Wut, Furcht, Angst und Ekel. Nenne ein Gefühl, überlege mit deinem Kind, wann und wo es das schon mal gefühlt hat und reflektiert diese Situation. Wie fühlt sich dieses Gefühl an? Wo im Körper fühlst du es? Sitzt es vielleicht im Bauch, im Hals oder spürst du es in den Gliedmaßen? Was passiert mit dir, wenn du dieses Gefühl fühlst?

Wichtig hierbei ist, dass dein Kind lernt: Alle Gefühle sind willkommen, alle gehören zum Leben dazu. Manche sind angenehmer als andere, doch alle sind (hin und wieder) da und dürfen da sein. Die Gefühle kommen und sie gehen auch wieder.

Achtsamkeit für Kinder – Fazit

Gelingt es euch, einige dieser Übungen in euren Familienalltag  zu integrieren, habt ihr bereits unglaublich viel erreicht und einen wertvollen Grundstein für Ausgeglichenheit, Stärke, Mut und Glück eures Kindes gelegt.

Eine Achtsamkeitspraxis zu etablieren ist ein wichtiger, wertvoller Aspekte des Familienlebens – du legst damit einen wichtigen Grundsteine für das weitere Leben deines Kindes. Du gibst ihm damit wertvolle und oft unterschätzte Werkzeuge an die Hand, die ihm helfen, sich gelassener und stärker den Herausforderungen des Lebens zu stellen.

Achtsamkeit für Kinder?! Wir hoffen, dass du jetzt ganz klar sagst: “Das ist keine Modeerscheinung, wir gehen das nun Schritt für Schritt gemeinsam an!”

Wenn du diese oder andere Achtsamkeitsübungen umsetzt, berichtet uns gerne davon auf unserer Facebook Seite oder unsrem Instagram-Profil. Wir freuen uns sehr!

Quellen:

Spiegel 2015, Tobias Schormann, Entspannt im Hier und jetzt https://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/achtsamkeit-was-ist-das-a-1046882.html

ARD, Wie entwickelt sich das kindliche Gehirn? Eckart von Hirschhausen

https://www.daserste.de/information/ratgeber-service/hirschhausens-check-up/start-ins-leben/wie-entwickelt-sich-das-kindliche-gehirn-100.html

Techniker Krankenkasse, Typische STress-Symptome von Kindern und Jugendlichen, Autor: Dipl.-Psych. Anne Frobeen 2019 

https://www.tk.de/techniker/magazin/life-balance/familie/typische-stress-symptome-von-kindern-und-jugendlichen-2010032

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